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Das Reisen- und Entdecken-Blog von Susanne Butz und Christian de Vries.

Wemding: Das “Kleinod” in der Stadt – “Ambiente”

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Es hat nun doch einige Monate gedauert, bis wir den Weg nach Wemding gefunden haben. Kennengelernt hatte ich  Carina Roßkopf Mitte Oktober auf der Fachveranstaltung  BarConvent in Berlin. Einigermaßen neugierig fragte ich auch sie, wo sie herkomme und was sie so mache. “Ich habe ein Hotel”, sagte sie. Was mir kaum glaubhaft schien, mit ihren mal gerade 27 Jahren.  Unbeirrt erzählte sie weiter. Und machte mich neugierig.

Carina Roßkopf (r.) gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Nadine Rösch in Berlin

Direkt am Wemdinger Marktplatz ist das “Ambiente”, was Lokal und Hotel vereint. Wer zur Tür hereinkommt, nimmt angenehme Farben wahr. Auf der rechten Seite prasselt ein Kaminfeuer. Gemütliches Mobiliar, einige Clubsessel, auf der linken Seite eine etwas erhöhte Bar. Das Publikum ist bunt gemischt, alle sind im angeregten Gespräch. Wahrlich eine schöne und gemütliche Atmosphäre, in der man sich schnell wohlfühlt.

Ein Gang führt nach hinten, wo sich die Jugend austoben kann. Hier stehen einige Spielautomaten, ein Billard-Tisch, hier können Darts-Pfeile geworfen werden. Und es darf geraucht werden, dort, wo im Sommer die Türen aufstehen. Auch hier ist eine Bar.

Geschmackvoll eingerichtet: Das "Ambiente" in Wemding

Als Übernachtungsgast fühlt man sich nahezu königlich. Carina bringt uns in den zweiten Stock, wo wir ein riesengroßes Zimmer erleben, das wirklich geschmackvoll eingerichtet ist. Ein großer Holzschrank zum Verstauen, zwei Sessel, ein gemütliches Bett, natürlich ein großer Fernseher. Die Fenster führen auf den Marktplatz, der jetzt Ende Januar verschneit ist.

Wer genau hinschaut, sieht es: Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das Hotel so angenehm besonders machen. Ja, die Süßigkeit auf dem Kopfkissen ist es nicht, aber: Der Lichtschalter da, wo er hingehört. Die Dusche ist im Vergleich zu vielen anderen angenehm groß. Es gibt immer frisches Trinkwasser auf den Tischen. Und es geht persönlich: Nicht einfach die Frühstückszeit ansagen, sondern fragen: Wann wollt ihr frühstücken? Und dann ist es fertig. Auf dem Flur steht weiteres Wasser, ein Schuhputzautomat, am Ausgang hängen einige Schirme. Dass das WLAN im dritten Stockwerk nicht besonders gut funktioniert, ist dabei kein Beinbruch. Im Zimmer ist ein langes (!) LAN-Kabel, der Zugang zum WorldWideWeb also gesichert.

All das ist das Werk von Carina Roßkopf. Gerade mal 27 Jahre alt. Begonnen hat sie mit 19 Jahren, nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau. “Ich wollte etwas in dieser Art schon immer machen”, erzählt sie. Und begann im Jahr 2004 dort, wo sich heute in ihrem Haus die Jugendlichen treffen. Bis zu dieser Zeit waren es noch drei Gastronomie-Betriebe im Gebäude. Das Haus konnte sie günstig kaufen. Und sie tat es. Und machte daraus ein schmuckes Hotel. Der Preis wohl klein, aber die Arbeit dafür schon riesig. Mit Hilfe ihrer Familie, die damals half und heute mithilft. Nach und nach haben sie das erledigt, seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Freund, der jetzt in der Küche am Herd steht.

Erstaunlich direkt ist ihre Haltung, die sie mit Nachdruck bekräftigt: “Man muss schon etwas probieren. Und nicht nur ein Mal, sondern mehrere Male”. Etwa, bis es gelingt. Oder: “Wenn man es macht, dann richtig. Keine halben Sachen.” So sei sie immer schon gewesen, mit Ideen, mit Tat- und Entschlusskraft. Und genau das ist es, was man bei anderen so vermisst. Die Überzeugung, die Haltung, wirklich für den Gast da zu sein. Damit es sich für beide Seiten lohnt.

Frühstück im "Ambiente"

Das lässt sich in Wemding heute sehen. Was einst arg herunter gekommen war, erstrahlt heute im Glanz. Carina Roßkopf hat ein sicheres Gespür für das, was Gästen gefällt. Nicht zu viel Schnick-Schnack, aber immer: diese Aufmerksamkeit. Und die gilt den Gästen. ”Service pur” könnte man das nennen. Dass sie dafür beäugt wird, das weiß sie. Nicht allen gefällt es, wenn es den Gästen hier besser gefällt. Doch sicher ist sie, dass die Arbeit niemals zur Routine werden darf. Geordnet ja, aber auch mit Mut, etwas Neues auszuprobieren.

“Viele unserer Gäste waren in anderen Häusern enttäuscht”, berichtet sie. Und oftmals sind es nur die schon beschriebenen Kleinigkeiten, die die Gäste zufrieden stellen. Etliche ihrer Hotelgäste sind mittlerweile Stammgäste. Man kennt sich, vertraut sich, weiß von einander. Dass das gelingt, liegt an ihr und ihren Mitarbeitern, denen sie ebenso vertraut. Und sie lebt es selbst vor. Steht früh auf, um ihren Gästen das Frühstück zu bereiten, und man sieht ihr kaum an, dass sie erst um drei Uhr in der Nacht das Licht in der Gaststätte ausgemacht hat.

Gleichzeitig sieht man ihr an, dass sie es gern macht, mit großer Überzeugung. Und dann kann man gern erneut nach Wemding fahren.

 

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