Nein, so schnell wird man den Weg nach Wemding wohl nicht finden. Vielleicht, wenn man dort eine Großtante hat, oder andere Verwandte. Oder, wenn man als Botaniker auf den Spuren von Leonhart Fuchs ist. Oder, wenn man beruflich etwas mit Automobilen und dort mit dem Zulieferer Valeo zu tun hat. Wemding ist ein kleiner Ort mit etwas mehr als 5.500 Einwohnern im sogenannten “Altmühltal”. Vielleicht findet man als Pilger dorthin, wenn man die Wallfahrtsbasilika “Maria Brünnlein” besuchen möchte. Es hat mehrere Kirchen dort, sehenswerte vielleicht, aber wenn man das nicht will?
Ein beschauliches Städtchen, das man gern malerisch nennen möchte. Klein und fein, sauber und ordentlich, mit vielen alten Häusern, die mehr oder weniger gut in Schuss sind. Die meisten sind es. Hier eine Heiligenfigur, dort ein sehenswertes Fachwerk, ein Brunnen auf dem Marktplatz. Und es finden Touristen dorthin, denn es hat viele Beherbergungsstätten, sogar einen Campingplatz.
Und sonst? Nicht viel Sehenswertes. Meiner Meinung nach. Man mag vielleicht einen oder zwei Tage dort schauen, um dann weiter zu fahren. Es scheint, als würde der Ort seine eigentlichen Schätze verbergen. Neben erstaunlich vielen Geschäfts-Leerständen und der üblichen Versorgung findet sich wenig Inspirierendes. Das Kunstmuseum lockt uns nach einem Blick auf die Web-Seite nicht. Kein Kunsthandwerk, keine “Attraktion” (welche auch immer das sein soll) zu finden. Ja, das ein oder andere Café, aber im Januar (ok, nicht gerade die Hauptreisezeit) sind nicht alle geöffnet. Wer dann noch nahezu plump gefragt wird, ob er mit einem “ebay-Gutschein” nach Wemding gefunden habe…. Ach, nööö.
Man möchte dem Gemeinderat und der Verwaltung “Mehr Mut!” zurufen. Was bietet ihr denn für Kinder, was gibt es denn Kreatives, was ist denn das Einzigartige, das Besondere in dieser kleinen und durchaus sehenswerten Stadt?
Und doch, ein kleines Einod gibt es. Und, zugegeben, war es der eigentliche Grund für die gar nicht so lange Reise nach Wemding: Ambiente, ein kleines Restaurant, ein kleines Hotel, direkt am Marktplatz der kleinen Stadt. Und warum besonders? Weil es von Carina Roßkopf geführt wird. Einer beachtlichen Frau, die gerade mal 19 Jahre alt war, als sie sich für die Gastronomie entschied. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier zu erzählen ist….
(Wer meint, dass ich den Ort zu schlecht sehe, möge begeisterte Kommentare unter diesen Text werfen.)



