Ach, guck mal!

Das Reisen- und Entdecken-Blog von Susanne Butz und Christian de Vries.

22. Februar 2012
von Susanne
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Rösterei Schwarzwild: zitrisch, schokoladig oder doch lieber malzig?

Espresso aus der Maschine

“Der hier ist mir ein bisschen zu mild für einen Espresso” – “Der allererste war richtig gut – würziger, malziger” – “Ja, er muss kräftig sein”

Die drei Frauen, die so kritisch die Tässchen kreisen lassen, wollen es genau wissen. Schließlich sind sie auf der Suche nach besonderem Genuss für ihr Café irgendwo tief im Schwarzwald. Wo kommen die Bohnen her, sind sie aus Bioanbau, gibt es auch Fairtrade-Kaffee in der Freiburger Rösterei Schwarzwild?

Andrea Jauch, die die Rösterei vor wenigen Monaten eröffnet hat, gibt gerne Auskunft. Die meisten Kaffeeimporteure, von denen sie ihre Bohnen bezieht, kennen die Plantagen genau. Es sind kleine Plantagen, die reifen Früchte werden von Hand gepflückt – davon hängt ein großer Teil der Qualität ab. Denn eine Kaffeepflanze trägt gleichzeitig alle Stadien von Blüten über unreifen zu reifen Kirschen. Wer schnell ernten will (wie in Großplantagen), nimmt eben alles mit – das macht den Kaffee preiswerter, lässt aber den Geschmack leiden.

Zertifizierungen? Die gleichen Erfahrungen, wie wir sie schon bei der chocolART mit Schokolade gemacht haben: es tummeln sich diverse Siegel (bis zu 40 im Kaffeebereich), vergeben durch europäische Organisationen. Kleinbauernfamilien können sich die Kosten solcher Zertifizierungen oft nicht leisten. Auch hier eine Frage von Vertrauen und der Bereitwilligkeit von Importeuren, offen vom Anbau und von ihren Einkaufsbedingungen zu berichten. Dinge anders zu machen. So wie der Importeur, der die Bohnen statt in üblichen schweren 60- oder 69-Kilosäcken in 30-Kilosäcke verpacken lässt.

Kaffeesäcke mit Kaffeebohnen aus Indien

Willkommen!

“Wir sind gerade vorbeigefahren und dachten: Was ist denn das?” – ein junges Paar kommt herein, schaut sich um, lässt sich ein bisschen beraten, bestellt Espresso. Und verlässt die Rösterei einige Zeit später mit einem Päckchen frisch gemahlener Bohnen.

Die Espressobohnen werden frisch gemahlen mitgegeben

Stammkundschaft gibt es mittlerweile auch schon. Eine Frau, die nebenan ihr Büro hat und “einfach gerne einen guten Kaffee zum Ende der Mittagspause will”. Vier Männer vom gegenüber liegenden SWR, die Espresso macchiato bestellen. Alte Bekannte, die reinschneien.

Und zwischendrin noch Zeit, zu erzählen. Erklärt mir die schon etwas ältere, imposante Röstmaschine, die sie einem Saarländer Röster abgekauft hat.

Italienische Röstmaschine

Zeigt mir den Größenunterschied einer ihrer Sorten vor und nach dem Rösten – “wie Popcorn aufgeploppt”.

Kaffeebohnen, einmal roh und einmal geröstet, die gleiche Sorte

Ach, und ich hab schon wieder den Begriff vergessen, für das Knacken der Bohnen, das anzeigt, ob die Röstung nun lang genug für den Kaffee oder ein bisschen länger für den Espresso war. Dass es sein kann, dass die etwas öligen Espressobohnen, die ich zuhause habe und meine Handmühle so schnell verkleben, zu lange geröstet wurden. Oder zu lange lagerten. Grundsätzlich gibt sie den Tipp, hin und wieder spezielle Getreidetabletten oder Reis zu vermahlen, da das am Mahlwerk hängenbleibende Öl der Bohnen ranzig wird.

Wie beim Wein spielt die Herkunft und Lage der Kaffeepflanzen eine große Rolle beim Geschmack. Die afrikanischen Bohnen bringen eine mehr zitrische Note mit, die mittelamerikanischen schmecken eher nussig-schokoladig. Würzig sind meist die südamerikanischen Bohnen.

Teil der italienischen Röstmaschine, im Hintergrund Kaffeebohnensäcke

Alles anders

Zwischendrin muss ich heftig grinsen. Denn ich kenne Andrea Jauch aus ihrem “Vorleben”: Mitarbeiterin einer meiner KundInnen. Und ich erinnere mich an mein Erstaunen, als es hieß “Frau Jauch verlässt uns. Sie hat eine Ausbildung zur Barista gemacht”. Ausgerechnet auf Dienstreise machte es “Bling!” bei ihr, als sie eine kleine Rösterei in einem Osloer Eckcafé entdeckte. Mit “supergeilem Espresso”.

Sie recherchierte Ausbildungsangebote, Möglichkeiten, zu lernen. Legte einen berufsbegleitenden Kurs an einer Züricher Hochschule ab, arbeitete in alteingesessenen Röstereien in der Schweiz und in Deutschland mit. Plante, rechnete, fand in der ehemaligen Schmiede einen großzügigen hellen Raum, der sich bestens auch für ihre Kurse und Veranstaltungen anbietet. Stöhnt ein bisschen, wenn Ideen oder Wünsche etwas aufwändiger ausfallen, als vermutet. “Es ist richtig schwer, einen Tassenhersteller zu finden, bei dem alle Tassensorten gut aussehen – also eine schöne Milchkaffeetasse, eine schöne Cappuccinotasse, eine schöne Espressotasse”. Auf die ja auch ihr Logo soll. Das mich sofort hingerissen hatte, als ich es das erste Mal sah:

Logo Schwarzwild: Schwarzwälderin mit Kaffeebohnenbollenhut und Kaffeetasse

Ich würd ja zwei solche Espressotassen kaufen. Ich würd auch eine Tasche mit dem Kaffeebohnenschwarzwildmädel zu Markte tragen.

Und wer gleich noch mehr plant, nämlich wie die drei Frauen aus dem Schwarzwälder Café, der bekommt auch seine eigene Kaffeebohnenmischung mit seinem eigenen Logo vornedrauf. Einfach mal vorbeifahren, in die Freiburger Kartäuserstraße und schauen, ob diese Tafel draußen steht:

Hinweistafel zur Rösterei - "Fahrrad parken, Espresso trinken"

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Wie passend ist die ausgesprochen hübsche Website heute online gegangen:
rösterei-schwarzwild.de

Der Shop ist in der Entstehung und später über die Website erreichbar.
Ebenfalls ist eine Fanseite auf Facebook geplant.

Rösterei Schwarzwild
Andrea Jauch
Kartäuserstraße 60
79102 Freiburg, Deutschland
info@roesterei-schwarzwild.de

Geöffnet:
Mittwoch bis Freitag, 10-14 Uhr + 16-19 Uhr

9. Februar 2012
von Christian
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Wemding: Das “Kleinod” in der Stadt – “Ambiente”

Es hat nun doch einige Monate gedauert, bis wir den Weg nach Wemding gefunden haben. Kennengelernt hatte ich  Carina Roßkopf Mitte Oktober auf der Fachveranstaltung  BarConvent in Berlin. Einigermaßen neugierig fragte ich auch sie, wo sie herkomme und was sie so mache. “Ich habe ein Hotel”, sagte sie. Was mir kaum glaubhaft schien, mit ihren mal gerade 27 Jahren.  Unbeirrt erzählte sie weiter. Und machte mich neugierig.

Carina Roßkopf (r.) gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Nadine Rösch in Berlin

Direkt am Wemdinger Marktplatz ist das “Ambiente”, was Lokal und Hotel vereint. Wer zur Tür hereinkommt, nimmt angenehme Farben wahr. Auf der rechten Seite prasselt ein Kaminfeuer. Gemütliches Mobiliar, einige Clubsessel, auf der linken Seite eine etwas erhöhte Bar. Das Publikum ist bunt gemischt, alle sind im angeregten Gespräch. Wahrlich eine schöne und gemütliche Atmosphäre, in der man sich schnell wohlfühlt.

Ein Gang führt nach hinten, wo sich die Jugend austoben kann. Hier stehen einige Spielautomaten, ein Billard-Tisch, hier können Darts-Pfeile geworfen werden. Und es darf geraucht werden, dort, wo im Sommer die Türen aufstehen. Auch hier ist eine Bar.

Geschmackvoll eingerichtet: Das "Ambiente" in Wemding

Als Übernachtungsgast fühlt man sich nahezu königlich. Carina bringt uns in den zweiten Stock, wo wir ein riesengroßes Zimmer erleben, das wirklich geschmackvoll eingerichtet ist. Ein großer Holzschrank zum Verstauen, zwei Sessel, ein gemütliches Bett, natürlich ein großer Fernseher. Die Fenster führen auf den Marktplatz, der jetzt Ende Januar verschneit ist.

Wer genau hinschaut, sieht es: Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das Hotel so angenehm besonders machen. Ja, die Süßigkeit auf dem Kopfkissen ist es nicht, aber: Der Lichtschalter da, wo er hingehört. Die Dusche ist im Vergleich zu vielen anderen angenehm groß. Es gibt immer frisches Trinkwasser auf den Tischen. Und es geht persönlich: Nicht einfach die Frühstückszeit ansagen, sondern fragen: Wann wollt ihr frühstücken? Und dann ist es fertig. Auf dem Flur steht weiteres Wasser, ein Schuhputzautomat, am Ausgang hängen einige Schirme. Dass das WLAN im dritten Stockwerk nicht besonders gut funktioniert, ist dabei kein Beinbruch. Im Zimmer ist ein langes (!) LAN-Kabel, der Zugang zum WorldWideWeb also gesichert.

All das ist das Werk von Carina Roßkopf. Gerade mal 27 Jahre alt. Begonnen hat sie mit 19 Jahren, nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau. “Ich wollte etwas in dieser Art schon immer machen”, erzählt sie. Und begann im Jahr 2004 dort, wo sich heute in ihrem Haus die Jugendlichen treffen. Bis zu dieser Zeit waren es noch drei Gastronomie-Betriebe im Gebäude. Das Haus konnte sie günstig kaufen. Und sie tat es. Und machte daraus ein schmuckes Hotel. Der Preis wohl klein, aber die Arbeit dafür schon riesig. Mit Hilfe ihrer Familie, die damals half und heute mithilft. Nach und nach haben sie das erledigt, seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Freund, der jetzt in der Küche am Herd steht.

Erstaunlich direkt ist ihre Haltung, die sie mit Nachdruck bekräftigt: “Man muss schon etwas probieren. Und nicht nur ein Mal, sondern mehrere Male”. Etwa, bis es gelingt. Oder: “Wenn man es macht, dann richtig. Keine halben Sachen.” So sei sie immer schon gewesen, mit Ideen, mit Tat- und Entschlusskraft. Und genau das ist es, was man bei anderen so vermisst. Die Überzeugung, die Haltung, wirklich für den Gast da zu sein. Damit es sich für beide Seiten lohnt.

Frühstück im "Ambiente"

Das lässt sich in Wemding heute sehen. Was einst arg herunter gekommen war, erstrahlt heute im Glanz. Carina Roßkopf hat ein sicheres Gespür für das, was Gästen gefällt. Nicht zu viel Schnick-Schnack, aber immer: diese Aufmerksamkeit. Und die gilt den Gästen. ”Service pur” könnte man das nennen. Dass sie dafür beäugt wird, das weiß sie. Nicht allen gefällt es, wenn es den Gästen hier besser gefällt. Doch sicher ist sie, dass die Arbeit niemals zur Routine werden darf. Geordnet ja, aber auch mit Mut, etwas Neues auszuprobieren.

“Viele unserer Gäste waren in anderen Häusern enttäuscht”, berichtet sie. Und oftmals sind es nur die schon beschriebenen Kleinigkeiten, die die Gäste zufrieden stellen. Etliche ihrer Hotelgäste sind mittlerweile Stammgäste. Man kennt sich, vertraut sich, weiß von einander. Dass das gelingt, liegt an ihr und ihren Mitarbeitern, denen sie ebenso vertraut. Und sie lebt es selbst vor. Steht früh auf, um ihren Gästen das Frühstück zu bereiten, und man sieht ihr kaum an, dass sie erst um drei Uhr in der Nacht das Licht in der Gaststätte ausgemacht hat.

Gleichzeitig sieht man ihr an, dass sie es gern macht, mit großer Überzeugung. Und dann kann man gern erneut nach Wemding fahren.

 

30. Januar 2012
von Christian
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Wemding: Auf der Suche nach…

Verkühlte Brunnenschönheit am Wemdinger Marktplatz

Nein, so schnell wird man den Weg nach Wemding wohl nicht finden. Vielleicht, wenn man dort eine Großtante hat, oder andere Verwandte. Oder, wenn man als Botaniker auf den Spuren von Leonhart Fuchs ist. Oder, wenn man  beruflich etwas mit Automobilen und dort mit dem Zulieferer Valeo zu tun hat. Wemding ist ein kleiner Ort mit etwas mehr als 5.500 Einwohnern im sogenannten “Altmühltal”. Vielleicht findet man als Pilger dorthin, wenn man die Wallfahrtsbasilika “Maria Brünnlein” besuchen möchte. Es hat mehrere Kirchen dort, sehenswerte vielleicht, aber wenn man das nicht will?

Haus vor einem Wehrturm

Ein beschauliches Städtchen, das man gern malerisch nennen möchte. Klein und fein, sauber und ordentlich, mit vielen alten Häusern, die mehr oder weniger gut in Schuss sind. Die meisten sind es. Hier eine Heiligenfigur, dort ein sehenswertes Fachwerk, ein Brunnen auf dem Marktplatz. Und es finden Touristen dorthin, denn es hat viele Beherbergungsstätten, sogar einen Campingplatz.

Einladende Begrüßung? Na, ja......

Und sonst? Nicht viel Sehenswertes. Meiner Meinung nach. Man mag vielleicht einen oder zwei Tage dort schauen, um dann weiter zu fahren. Es scheint, als würde der Ort seine eigentlichen Schätze verbergen. Neben erstaunlich vielen Geschäfts-Leerständen und der üblichen Versorgung findet sich wenig Inspirierendes. Das Kunstmuseum lockt uns nach einem Blick auf die Web-Seite nicht. Kein Kunsthandwerk,  keine “Attraktion” (welche auch immer das sein soll) zu finden. Ja, das ein oder andere Café, aber im Januar (ok, nicht gerade die Hauptreisezeit) sind nicht alle geöffnet. Wer dann noch nahezu plump gefragt wird, ob er mit einem “ebay-Gutschein” nach Wemding gefunden habe….  Ach, nööö.

Man möchte dem Gemeinderat und der Verwaltung “Mehr Mut!” zurufen. Was bietet ihr denn für Kinder, was gibt es denn Kreatives, was ist denn das Einzigartige, das Besondere in dieser kleinen und durchaus sehenswerten Stadt?

Just missing: Inspiration im allzu beschaulichen (?) Wemding

Und doch, ein kleines Einod gibt es. Und, zugegeben, war es der eigentliche Grund für die gar nicht so lange Reise nach Wemding: Ambiente, ein kleines Restaurant, ein kleines Hotel, direkt am Marktplatz der kleinen Stadt. Und warum besonders? Weil es von Carina Roßkopf geführt wird. Einer beachtlichen Frau, die gerade mal 19 Jahre alt war, als sie sich für die Gastronomie entschied. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier zu erzählen ist….

(Wer meint, dass ich den Ort zu schlecht sehe, möge begeisterte Kommentare unter diesen Text werfen.)

 

16. Januar 2012
von Susanne
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CMT: Ein Pippi Langstrumpf-Haus!

Dieser Mann hat mich mittlerweile soweit: ich betrete grinsend die Caravan-Hallen der CMT (da gibt’s gleich mehrere von). Gut Ding scheint halt doch Weile zu haben.

Gestaltung und Einrichtung der Wohnmobile stehen natürlich in keinem Vergleich zu den Oldtimern, die im Erwin Hymer Museum ausgestellt sind. Schick, sag ich da nur, schick. In allen Varianten. Nur nicht für mein Portemonnaie. Nicht umsonst nutzen mehrere Banken die Gelegenheit, gleich vor Ort Interessierte über Finanzierungsmodelle zu beraten.

Während wir darüber sinnieren, wo wohl meine GSX in die Heckgarage passt (unhandliche 0,75 m breit und 2,20m lang) und wer die 222kg Leergewicht hoch wuchtet, studiert anderswo Papa mit Tochter auf dem Rücken ganz andere Verstaumodelle:

Concorde Wohnmobil, in dessen Heckgarage ein Smart passt

Äh. Ja. Und dieses Reisemobil von Concorde war bei Weitem nicht das Größte. Mir fehlt die Phantasie, mir auszumalen, warum man mit Einfamilienhäusern herumfährt?

Es gibt ja alles. Wirklich. Die unterschiedlichsten Aufteilungen, die unterschiedlichsten Prioritäten. Vollmundig-reißerische Versprechen nach “Kingsize-Betten” und “Traumbädern”, die unmittelbar loslachen lassen – diejenigen, die wirklich schicke Bäder integrieren, haben es offensichtlich nicht nötig, laut zu brüllen.

Raffinierte Verschieb-, Aufklapp- und Befestigungslösungen. Und hervorragend im Leben stehend das Etagenbett in der Heckklappe beim Elnagh Duke 67 – schnarchgeplagte PartnerInnen danken es!

Elnagh-Duke67-Etagenbett

Mittlerweile schon lustlos vom vielen Gucken, als im hinteren Eck noch ein Wagen steht.

Wirkt von Weitem wie ein nostalgischer Zirkuswagen. Mit viel Holz und bunt. Süß! Wie nett, dass sie auf der CMT auch was Altes… Moment mal?

Ach.

Guck mal! Das ist ja ein Neuer! Der gehört so!

Tonke Campers - Holz und azurblaue Inneneinrichtung

Tonke Campers, Einrichtung innen

Ich habe mich verliebt. Ein Tonke Wagen sieht so ans Herz gehend abenteuerlicher aus als die ganze komfortable weiß-beige Flotte. Das Witzige: das “Haus” ist auf den Zugwagen aufgesetzt – und kann abgesetzt werden. Als Gästehaus. Wenn man denn einen entsprechenden Garten hat zum Beispiel.

Samstag spiel ich Lotto. Der hat sowas Pippi Langstrumpf-haftes.

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Tonke Campers im Internet:
tonkecampers.nl/de/travel

Noch mal der Link zur CMT:
www.messe-stuttgart.de/cmt

Und wie so alte Wohnmobile und Wohnautos aussehen, das berichten wir von unserem Besuch im Erwin Hymer Museum:
Christians Sicht
Susannes Sicht

15. Januar 2012
von Susanne
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CMT: Wenn ein Bestattungsunternehmer auf Ideen kommt

Ein Schwarzwälder Luftkurort mit Wassergemurmelhörliegen, eine Kulturlandschaft mit Schäferstündchen und Glück in den Wipfeln, das steht als Ergebnis der CMT auf meinem Ach, guck mal! – Wunschzettel.

CMT – Caravan, Motor, Touristik. Reisemesse. Caravan ist vor allem das Ding dieses Mannes. Motor: naja, Bus- Schiffs- und Fernreisen lass ich weiterhin außen vor. Touristik. Gehen wir Touristik gucken.

Ach Gott ja. Wie letzte Woche in Mannheim: Wohlbefinden, Wellness – was als Thema schon lange in den Prospekten angekommen ist, sucht seinen Weg noch sehr zaghaft in der Standgestaltung. Auffallend, wie dröge viele Stände sind. Sie wirken nach “wir machen das seit zehn Jahren so und das machen wir auch weiter”. Unmotiviert steht so manches Standpersonal mit verschränkten Armen hinter den Tresen.

Ahhh – und was ist das?

Unterkirnach

Messestand auf der CMT von Unterkirnach

Unterkirnach. Ein Schwarzwälder Luftkurort. Und echtes Holz. Nix Fake. Da riechts nach Harz. Wird frisches Wasser gereicht. Und lässt sich auf der “Waldbadeliege” ruhen.

Ausruhen auf der Holzliege

OK. Das mit den Filmsequenzen ist ein bisschen Stilbruch. Und die Naturgeräusche per Kopfhörer etwas zu laut. Viel netter ist dafür der kleine Ausschnitt zum Wassererlebnispfad, den eine Mitarbeiterin der Spielscheune Unterkirnach betreut.

Ausschnitt aus dem Wassererlebnispfad, der bei Unterkirnach angelegt ist

Dass dieser Stand so liebevoll eingerichtet ist, kommt nicht von ungefähr. Die beiden Prospekte, die ausliegen, zeigen, wie durchdacht sich der Ort als Erlebnis- und Erholungsort präsentiert. Es ist ein frisches Konzept. Es macht Spaß, durchzublättern, zu lesen, die Bilder anzusehen. Es freut, dass bei den Geräten der Spielscheune darauf geachtet wurde, dass die meisten auch von Kindern mit körperlichen und geistigen Einschränkungen benutzt werden können. Schatzsuche? Als Geocaching – die GPS-Geräte gibts in der Spielscheune. Für den Wassererlebnispfad (mit zwei Wassergemurmelhörliegen – Foto im Prospekt ;-) ) lassen sich elektronische Scouts ausleihen. Statt eines – mit Verlaub – öden Kurparks legte Unterkirnach einen Wildpflanzenpark für beheimatete und meist gefährdete Pflanzen und Kleintiere an.

Mich hat dieser Ort auf jeden Fall schon gefangen.

Heckengäu

Nicht vom Stand selbst, sondern von der Standbetreuerin wurde ich fürs Heckengäu inspiriert. Spricht mich an, während ich warte, bis dieser Mann die Farbenpracht der Säfte fotografiert hat, die eine dort ansässige Firma herstellt. Ja, sowas!

Das Heckengäu ist eine Landschaft westlich von Stuttgart. Ein eher karges Gebiet, mit eben jenen Hecken, die sich auf aufgeschütteten Grenzmauern ansiedelten, mit Wacholderheiden, Schafen und Streuobstwiesen. Ein 120 km langer Fernwanderweg führt von Mühlacker nach Freudenstadt. Das Prospekt, das mir in die Hand gedrückt wird, zeigt neben den allgemeinen Informationen gleich den Wanderweg auf – mit Aussichtspunkten, Einkehrten, Grillstellen und Öffentlichen Verkehrsmitteln. Und so, wie ich es letzte Woche bei dem Elsässer Prospekt erfuhr – auch hier spielt der Internetauftritt eine sehr wichtige Rolle: Wanderkarten zum Herunterladen, Radtouren, GPS-Daten, Veranstaltungstipps, lokale Erzeugnisse (Destillate #hach)… findet sich alles dort. Eine Schatzkiste an Ideen.

Wipfelglück

Ideenreich ist auch der Betreiber der Baumhaushotels “Wipfelglück”. Denn eigentlich kommt er aus der Bestattungsbranche. Aber auch hier aus einer besonderen Ecke – Waldbestattungen. Dann hätten wir ja schon mal zwei Anknüpfungspunkte, das Holz und den Wald. Die Baumhotels selbst bieten allerdings genug Raum und sind nicht sonderlich beengt. Auf der CMT steht aus Platzgründen freilich nur ein Modell.

Baumhotel im Modell

Und wie funktioniert das nun? An zwei Standorten (Rosenberg und Mönchberg) stehen mehrere dieser Baumhäuser, ein Standort ist winterfest. Die Häuser stehen – je nach Waldart – auf Stelzen oder tatsächlich im Baum selbst. Sie haben Strom, Toiletten und fließend warm Wasser, aber keine Dusche – hier gibt es Vereinbarungen mit Einrichtungen im Ort. Morgens kommt ein Frühstück im Korb, ansonsten muss man sich selbst verpflegen.

Witziges Konzept und die Bilder sehen schön aus. Auf der Wipfelglück-Website ist ein kleiner Filmbericht eingebunden.

Billig ist das allerdings nicht. Für dieses Geld könnte man in ein normales Hotel und hätte eine Dusche. Aber ein Selbstversuch, das ist es wert!

Und sonst so

Glücksrad

Glücksräder und Gewinnspiele, Shows und Verkaufsaktionen, Messerabatte und Anmutungen von Rudis Resterampe. Manchmal viel laut und manchmal viel Mensch. Die unvermeidliche Südtiroler Speckparade.

Verkaufsstand auf der CMT

Und wer seinen Hund mitnimmt – also, entschuldigung, das arme Tier!

Zum guten Schluss ein guter Rat….

Die erfahrungsresistente Schreiberin denkt, sie könne mit einigermaßen anständigem Schuhwerk eine Messe wie die CMT überstehen. Tja. Die Wege sind weit in den Stuttgarter Messehallen. Schnallt besser Wanderschuhe an die Füße! Dann klappt’s nicht nur im Urlaub mit dem Wohlbefinden (und dass es diesem Mann ja genauso ging, lässt sich in seinem Post nachlesen).

Update

Wipfelglück antwortete auf Facebook meinem Post und korrigierte, dass beide Standorte winterfest sind – Mönchberg ist allerdings gerade geschlossen, weil dort ein weiteres Baumhaus (barrierefrei) gebaut wird.

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Die CMT im Web:
www.messe-stuttgart.de/cmt

Die CMT auf Facebook:
facebook.com/CMTmesse

Unterkirnach im Web:
www.unterkirnach.de

Unterkirnach auf Facebook:
facebook.com/pages/Unterkirnach-Tourismus/203929176323594

Das Heckengäu im Web:
www.heckengaeu-natur-nah.de

Das Heckengäu auf Facebook:
facebook.com/pages/Heckeng%C3%A4u-NaturNah/243062622384036

Baumhaushotels Wipfelglück im Web:
wipfelglueck.de

Wipfelglück auf Facebook:
facebook.com/pages/Wipfelgl%C3%BCck-Baumhaushotels/232301873446805

15. Januar 2012
von Christian
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CMT: Wohin? Erst mal auf die Touristik-Messe

Wohin reisen? Die Antwort findet man auf der Stuttgarter CMT leicht.

Wer nicht weiß wohin, muss da hin: Zur CMT, genauer, zur ” Urlaubsmesse Internationale Ausstellung für Caravan, Motor, Touristik“. Dass das wahrlich kein Geheimtipp mehr ist, bewiesen allein am ersten Wochenende die mehr als 60.000 Besucher, die sich in den modernen Messehallen direkt am Stuttgarter Flughafen für den nächsten Urlaub inspirieren ließen. Allerdings: Man sollte schon vorher ungefähr wissen, was man sich anschauen will, gute und vor allen Dingen bequeme Schuhe ankleiden, und letztlich um die dann doch langen Wege wissen.

Wer das mag, kann sich allerlei anschauen: Von vielen Feriendestinationen im In- und Ausland über Wohnmobil- und Caravanfahrzeuge bis hin zum richtigen Camping-, Fahrrad- oder Wanderzubehör ist eigentlich alles vorhanden. Immerhin sind in Stuttgart mehr als 1900 Aussteller aus mehr als 90 Regionen oder Ländern vertreten. Kreuzfahrt? Da lang. Wellness? Dort lang. Camping? Da rüber gestapft. Dass sich das zuweilen aufgrund des großen Publikumsandranges etwas zwischen den Gängen schiebt, versteht sich. Dann bleibt auch Zeit, das ein oder andere Mal einige Köstlichkeiten zu probieren.

Natürlich gibt es auch jede Menge "Wellness-Angebote".

Leider verbirgt sich so manche Urlaubs-Perle auch hinter mehr oder weniger verbarrikadierten Messetresen. Die Unart, den Gast nicht auf den Stand zu lassen, sondern ihm ausschließlich Prospektprodukte zu verpassen, ist in der Tourismusbranche leider noch weit verbreitet. Nur wenige Stände glänzen mit Kreativität, als lobendes Beispiel sei Unterkirnach aus dem Schwarzwald erwähnt, deren Mitarbeiter sich nicht nur Mühe gemacht haben, sondern auch jede Menge guter Ideen hatten.

Sehr kreatives Standkonzept: Unterkirnach aus dem Schwarzwald.

Fazit nach einem langen Messe-Tag: Super-Angebot, viele Anregungen zum Wandern und Reisen, zum Fahrradfahren und zum Wellness-Urlaub, unglaublich großes Angebot an Mobilisten-Fahrzeugen wie Wohnmobile und Wohnwagen. Wer zum ersten Mal dort ist, sollte sich den Katalog schnappen und gezielt die Hallen aufsuchen, die das gewünschte Angebot dort präsentieren.

 

7. Januar 2012
von Susanne
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ReiseMarkt Rhein-Neckar-Pfalz: und prompt gibt es Pläne

Die gemeine deutsche Urlauberschaft hat sich Wohlbehagen verdient. Wellness, Rotwein und jede Menge Schinken. Nichts gegen Schinken – es roch im zweiten Gang des “ReiseMarkt Rhein-Neckar-Pfalz” wunderbar nach den Südtiroler Kaminwurzen und dem Speck des “Schenner Speck Ladele“. Aber morgens vor 12 bereits Rotwein probieren, das befremdet selbst mich Hartgesottene.

Maimarkthalle. Kein sonderlich großes Gelände, in einer Stunde ist die erste Durchschau getan. Einige Stände schlicht, Plakate aufgehangen, Hochglanzprospekte hingelegt und das war’s für die Atmosphäre. Wellness per Print.

Fliegende Händler (Tücher. Schmuck. Portemonnaies. Seifen. Und Rollkofferschnäppchen).

Ach, und da: ein Wohnmobil. Pech für den daheimgebliebenen Blogpartner. Das Herz hätte ihm höher geschlagen.

Nun auch aufwändiger gestaltete Stände, vom Wellness-Hotel Schliffkopf, z.B.: den Boden mit Spänen bestreut, die Tische mit “Rinde” verkleidet, ein Steinbrunnen und komplette Fotowände. Sogar einen großen Monitor gibt es. Geht doch!

Gewinnspiele allenthalben. Adressensammeln par excellence (Frau Aigner, wo sind Sie?).

Die AusstellerInnen beim ReiseMarkt sind international. Zwei Partnerländer stellen den Schwerpunkt: Madagaskar und das Bruche-Tal im Elsass. Ich bin keine Fernreisende. Mich zieht es nicht weit weg. Zumal ich vor allem der Anregung für’s Reiseblog wegen hier bin.

Also Elsass. Mit überhaupt und allgemein den hübschesten Anblicken.

Plakate des Hotels La Cheneaudiere

Paar in elsässischer Tracht

Elsass

L’Alsace de parcs en jardins” – ja, klar, dass mich dieses Prospekt sofort anzieht. Das mir 37 Parks und Gärten von Siltzheim bis Ferrette vorschlägt. Übersichtlich auf einer Karte inklusive Verkehrswege aufgeführt, jeder Garten mit Foto, Adresse, Öffnungszeiten, Legende und französischer/deutscher/englischer Kurzbeschreibung. Herr Blogpartner, ich möchte unbedingt in die Roseraie des Trois-Epis, in den Parc de la Marseillaise und in den Parc zoologique et botanique in Mulhouse! Du kannst ja selbst mal gucken: tourisme-alsace.com/de/broschuren-elsass.

Die freundliche Elsassvertreterin fragt mich nach meinen Interessen. Radfahren? Wandern? Und schwupps, ein weiteres Prospekt. “Le Bas-Rhin au fil des sentiers” – Wandern durch das Unterelsass. Auch dies ein schön aufgemachtes Blatt mit Karte, Routenvorschlägen, Adressen der Verkehrsämter. Und dem Hinweis auf die Internetseiten, auf denen sich Wegbeschreibungen inkl. Höhenangaben, Entfernungen und diversen Adressen herunterladen lassen. Sehr schön!

Dann mal ums Eck gegangen. Um eine Bildungslücke festzustellen. Der irgendwann mal studierten Sozialpädagogin ist Pfarrer Oberlin kein Begriff. Und dabei hat sich dieser Pfarrer schon im 18. Jahrhundert für spielerisches Lernen der Kinder eingesetzt. Also, Bildung nachholen und das Musée Jean-Frédéric Oberlin, das wohl sehr auf Interaktion baut und nicht nur für Kinder gedacht ist, in Waldersbach besuchen.

Das stille Örtchen

Selbstverständlich ist auch Rhein-Neckar-Pfalz vertreten. Ganz offiziell. Mit herrschaftlichen Toilettenstühlen aus Schwetzingen zum Beispiel.
Ausstellungsstück: historischer Toilettensitz

Die Sonderausstellung “Das stille Örtchen – Tabu und Reinlichkeit bey Hofe, die noch bis 19.2. im Schloss Schwetzingen läuft, wird von Frauen und Männern in historischer Bekleidung beworben (und mir ist natürlich prompt das Foto verwackelt).

Für Schnellentschlossene: morgen, 8.1., wird in Schwetzingen das Puppentheater “Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat” gespielt!

Kochschule Eppelheim

“Cookst Du!” Ach was?

Eine Kinderkochschule. Das ist ja nett. Jeden Samstag für drei Stunden wird sie angeboten. Als Kindergeburtstagsaktivität? Für Schlechtwetterzeiten? Um mal was anderes auszuprobieren als das, was der Papa immer auf den Tisch bringt?

Die Kochschule Eppelheim ist professionell ausgestattet, Küchenchefs und Küchenmeisterin bieten das ganze Jahr unterschiedliche Kurse und Veranstaltungen, natürlich auch für die Erwachsenen. Und wer nicht nach Eppelheim will, der kann an einer der Koch- und Gourmetreisen teilnehmen.

#mimimimimi (das Programm macht hungrig. Aber eins muss ich noch schreiben: auf dem Programmheft ist ein Päckchen Rucolasamen angeklebt. Es sind diese kleinen Ideen, die positiv auffallen).

Und sonst…

…weiß ich jetzt, dass es in Bönnigheim ein Schwäbisches Schnapsmuseum gibt, hätte ich mich in “Schwarzwälder” Bollenhuttracht (die doch sowieso nur in drei kleinen Gemeinden getragen wird, Herrgottnochmal) fotografieren lassen können, habe ich mich wie immer auf solchen Großveranstaltungen gefragt, wieviel Schweine da eigentlich geschlachtet werden mussten, sah ich einen Film über Irland und bin von der PowerPointPräsentation des Gartenreisenveranstalters geflohen, habe ich, nachdem dort wieder mehrere Wohnmobile standen, beschlossen, dann doch mal dieses Mannes Wunsch nachzukommen und mit ihm ein paar Tage so ein Ding zu mieten und freute ich mich, dass es – Bad Kissingen sei Dank – auch einen Stand gab, an dem Wasser angeboten wurde:
Bad Kissinger Mineralwasser

Und dann war da noch das Unweigerliche

“Ich möchte nicht, dass Sie meine Weinflaschen fotografieren”

Na dann.

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Der ReiseMarkt Rhein-Neckar-Pfalz ist noch bis morgen, 8.1., von 10 – 18 Uhr geöffnet. Er findet in der Maimarkthalle in Mannheim statt.

reisemarkt-rhein-neckar-pfalz.de
facebook.com/pages/ReiseMarkt-Rhein-Neckar-Pfalz/231353403600627

3. Dezember 2011
von Christian
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chocolART: Wenn Kinder dafür arbeiten

Weiß der Verbraucher immer um die Herstellungsbedingungen für Schokolade?

Schon lange vor Weihnachten reiben sich die Vertreter der Schokoladen-Industrie eifrig die Hände: Kaum sonst als in der Vorweihnachtszeit wird mehr Schokolade konsumiert. Dass sich dabei kaum jemand Gedanken macht, unter welchen Bedingungen der erforderliche Kakao erwirtschaftet wird, ist ja nahezu normal. Um so mehr ehrt es die Macher der Tübinger chocolART, sich mit dem Thema “Schmutzige Schokolade” im Rahmen einer Veranstaltung  auseinander zu setzen. Eingeladen dazu hatte man den dänischen Dokumentarfilmer Miki Mistrati, der in seinem auch in Deutschland ausgestrahlten gleichnamigen Film deutlich macht, wie etwa im Land Elfenbeinküste die Kinderarbeit bei der Kakao-Ernte eine wichtige Rolle spielt.

Und das ist dann auch Tübingen: Ein volles Kino, ein nicht aufdringlicher aber präsenter Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), und die Diskutanten, die irgendwie alle der gleichen Meinung sind. Ein Streitgespräch also nicht. Friedel Hütz-Adams vom Institut Südwind hat die Situation wissenschaftlich beleuchtet, Bernward Geier vom Zertifizierer Rainforest Alliance, der Filmemacher Mikis Mistrati, und nicht zuletzt Olaf Reichardt als Vertreter des Bundes der Süßwarenindustrie, gleichzeitig Produzent von Schokoladen-Halbfertigwaren.

Am Ende wird deutlich, dass die Süßwaren-Industrie weltweit schon so gut unterwegs ist, ein entsprechend deutlich formuliertes Gesetzvorhaben zum Schutz vor Kinderarbeit in der Kakao-Ernte zum Abkommen herunter zu degradieren, immerhin dauert das Procedere nur etwas mehr als acht Jahre (!); man diskutiert gerade die Verlängerung. Mittlerweile sei es aber auch die Industrie, so Reichardt, der die Politik mit Initiativen treibe. Denn, so staune, der “mächtige Kakao-Bauer” kann auch Kautschuk oder andere Pflanzen anbauen, wenn die spekulative Bohne nicht mehr den Preis hergibt, den er braucht. Von Nachhaltigkeit des Anbaus also kaum eine Spur. Gleichzeitig beklagen nahezu alle Beteiligten die überbordende Anzahl von Zertifizierern.

Am besten nur grammweise und mit dem Wissen um die Herkunft: Fair- und Öko-Schokolade.

Deutlich wird durch die Diskussion auch, dass die größte Spanne im Einzelhandel bleibt. Unter welchen Herstellungs-Bedingungen auch immer: Der anbauende Bauer und seine Familie erhalten am Ende noch den geringsten Lohn. Und dass es der Industrie mit der Qualität und dem dafür erforderlichen Preis auch nicht so ehrlich ist, zeigt die Preisentwicklung allein in Deutschland: 1950 kostete eine Tafel Schokolade 99 Pfennig, 2001 kostete sie noch den gleichen Preis. Heute gehen Billig-Schokoladen für etwa 35 Cent über den Tresen.

Immerhin achtet die chocolART im Rahmen der feinen Veranstaltung in der Tübinger Altstadt schon genau auf die Qualität der Anbieter, die sehr wohl geeignet ist, den Verbrauchern ein etwas anderes Bewusstsein für die köstliche Süßigkeit zu liefern. Allein, es ist noch ein sehr, sehr langer Weg.

2. Dezember 2011
von Susanne
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chocolART: mehr als scharf

“Hier, probier!”, sagte dieser Mann. Nach einem kleinen Stück waren meine Geschmacksnerven erledigt. Hui, ist die scharf!

“Make love” nennt Harold Awortwie-Grant diese Sorte. Ich hingegen war erst mal damit beschäftigt, dieses Chili oder was auch immer zu überleben. Aber unter seiner Bongoroots African Bushman Chocolate gibt es auch eine Kombination “Anti Aging”. Von der ich mir just ein Eckchen abbreche. Sie ist mild. Schmilzt lecker im Mund. Und krispelt ein bisschen dank der winzigen Hanfsamen.

Bongoroots Schokolade "AntiAging"

Bongoroots verarbeitet Kakao aus Ghana und verfeinert mit Gewürzen aus Westafrika. Die Lust an kulinarischen Schöpfungen endet nicht mit der Schokolade – Harold Awortwie-Grant lebt in Tübingen und führt dort ein vegetarisch-afrikanisches Restaurant. Und wer nicht nach Tübingen kommt: Online-Bestellung, sag ich da nur.

Alles bio, oder was?

Die Zutaten der African Bushman Chocolate stammen aus ökologischem Anbau. Die Tafeln sind mit dem Bio-Siegel zertifiziert.

So etwas führt die Schokolade von Bouga CacaO nicht. Dass die Kleinbauern der ecuadorianischen Kooperative APPOS allerdings organisch arbeiten, ohne Einsatz von chemischen Düngern oder Pflanzenschutzmitteln, verspricht Ulrike Bongartz.

Gemeinsam mit Alexander Gareiss und Kleinbauern aus dem Amazonasgebiet entwickelte sie das Ziel, so viel Wertschöpfung wie möglich bei den Kakaobäuerinnen und -bauern zu belassen. So liefern die Kooperativen nicht bloß Kakaobohnen, sondern produzieren gleich vor Ort die Kuvertüre oder das Endprodukt.

Mehr als fair” nennt Bouga CacaO dieses Prinzip. Damit werden qualifizierte Arbeitsplätze unterstützt, die Kooperativen entwickeln neue Produkte, die auch auf dem heimischen Markt angeboten werden. Bouga CacaO vereinbart mit seinen PartnerInnen feste Preise, unabhängig vom spekulativen Weltmarktpreis.

Kakaobohnen

Und nein, auch ein Fairtrade-Siegel ist nicht zu sehen. Nachteil all der Zertifizierungen: sie kosten Geld. Erst den Kooperativen, dann den VerbraucherInnen. Für kleine Unternehmen nicht umsetzbar. Ulrike Bongartz ist glaubwürdig in dem, was sie sagt:

Den aus ihrer Zeit als EntwicklungshelferInnen aufgebauten Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Kooperativen setzen sie mit regelmäßigen Reisen in das Amazonasgebiet fort. Die Studien- und Erlebnisreise nach Ecuador, die sie anbieten, stößt auf großes Interesse. Nicht nur auf der Bouga CacaO-Website finden sich zahlreiche Informationen. Auch am Stand auf dem Schokofestival chocolART liegen Flyer und Infoblätter aus.

Transparenz. Damit ich weiß, was ich in der Hand halte.

Infoblatt von Bouga CacaO am Stand, Schokoladentafel von Bouga CacaO

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Bongoroots:
www.bongoroots.de/african-bushman-chocolate/geschmacksrichtugen.html

Bongoroots auf Facebook:
www.facebook.com/pages/Bongoroots/165040940201025

Bouga CacaO:
www.bouga-cacao.com

Bouga CacaO auf Facebook:
www.facebook.com/pages/Bouga-CacaO/174193892627617

1. Dezember 2011
von Christian
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chocolART: Mittlerweile das Mekka der Schokoladen-Liebhaber

Sakrale Klänge von vier Musikern aus St. Petersburg auf der chocolART in Tübingen.

Wer schon den zweiten Tag in Tübingen auf der chocolART verbringt, begreift so langsam die Zusammenhänge, lernt die Stadt kennen, die Akteure. Und schaut gern noch mal genauer hinter die Kulissen.

Immerhin, so weiß Corinna Grassler vom Veranstalter TübingenErleben, hat es bisher niemand geschafft, eine ähnliche Veranstaltung in Deutschland zu etablieren. Seit nunmehr sechs Jahren veranstaltet der Handels- und Gewerbeverein diese chocolART in Tübingen, mittlerweile das Mekka der Schokoladenfreunde. Und, so bestätigen die Zahlen, die sie berichtet, es wurde alles richtig gemacht.

“Wir legen viel Wert auf die Qualität und das Programm, das in den letzten Jahren immer mehr gewachsen ist”, so Grassler, die seit Tagen mit den anderen Mitgliedern des Drei-Personen-Teams (!) eigentlich überall zu finden ist. Von Jahr zu Jahr sei man besser geworden, habe Anregungen der Aussteller und Gäste aufgegriffen. “Wir sind schon in der Planung für das nächste Jahr”, erzählt sie. Besonders erfreulich: Die Aussteller, die ein Mal dagewesen sind, kommen gern wieder.

Gibt Auskunft zum Schokoladen-Festival chocolART in Tübingen: Corinna Grassler

Tübingen selbst hatte bislang  kaum einen Bezug zur Schokolade. Nun aber. Keine andere Stadt kann mittlerweile eine so hohe Kompetenzdichte in Sachen Schokolade aufweisen. Das 80-Seiten starke Programm heuer spricht quasi Bände, wissen auch Beobachter, die die Veranstaltung seit Jahren unterstützen.

Erfolg liest sich dann so: Mehr als 200.000 Gäste probieren und lutschen (ganz wichtig!) in diesen Tagen die Probierstückchen in der wunderbar atmosphärischen Altstadt am Neckargestade. Die Gassen sind voll, die Menschen drängen sich an den vielen Ständen, um genau zu schauen, zu probieren und zu kaufen. Nach den katrastrophalen Wetter-Kapriolen mit Eis und Schnee im letzten Jahr erleben Tübingen und die Gäste nun einen nahezu mildes Novemberende und Dezemberbeginn.

Stolz ist man auch auf den Erfolg im Internet: “Da sind wir mittlerweile gut unterwegs”, erzählt Corinna Grassler. Immerhin hat man gerade mehr als 6000 Fans auf facebook einsammeln können, um gleich am Tag drauf forsch und fröhlich die 7000er-Marke anzupeilen. “Aber auch dort lernen wir gern noch dazu”, ist sie ehrlich. “Immerhin haben wir damit die Möglichkeit, diese besondere Veranstaltung in ganz Deutschland und sogar in Europa bekannt zu machen. Diese Chance hätten wir sonst mit unserem überschaubaren Budget nie”.